Rollstuhlfahrer Bullshit Bingo — Vlog #8


Servus und Hallo zum Vlog, hier auf… Tja, Leute, ihr habt in meinen Videos wahrscheinlich schon des öfteren dieses Plakat gesehen. Es nennt sich “Rollstuhlfahrer Bullshit-Bingo”. Der Kopf hinter dieser Kreation ist Laura Gehlhaar, eine Blogger-Kollegin aus Berlin. Sie hat – und sie ist selbst Rollstuhlfahrerin – und hat mal all ihre Sprüche, die sie so im Laufe ihres Lebens, als Rollstuhlfahrerin gehört hat, in die Form dieses Bullshit-Bingos gebracht. Und ja, ich kann sagen, viele davon kenne ich auch Gehen wir sie einmal am besten durch. “Soll ich sie schieben? Ich hab mal Zivi gemacht.” Tja! ‘Soll ich schieben?’ ist generell immer eine gute Frage. Egal worum und wie man es meint. Aber der Zivi-Zusatz ist ziemlich hinfällig. Weil was will ein Zivi, der in der PR-Abteilung beim Roten Kreuz gearbeitet hat? Der hat wahrscheinlich auch nie einen Rolli in der Hand gehabt. Also, Leute, wenn ihr uns helfen wollt, dann einfach fragen, nicht einfach hinpacken, sondern wirklich fragen und dann könnt ihr nie was falsch machen. Diesen Spruch hab ich selbst noch nie gehört. “Du Arme! So hübsch und dann im Rollstuhl.” Tja! Bin auch hübsch. Und es hat noch keiner zu mir gesagt, ich bin arm, weil ich hübsch bin im Rollstuhl. Hach, leider! Tja! Den nächsten… Tja! “Oh! Unfall gehabt?” Ist durchaus legitim meiner Meinung nach. Kann man fragen. Geht einem zwar nix an, aber man kann’s fragen. Nur “Selbstverschuldet?” Echt jetzt? Ist es dann weniger schlimm, wenn er mit 15 beim Karateunterricht bei einem Salto rückwärts sich das Genick gebrochen hat? Ist es dann selbstverschuldet? Oder ist besser, wenn er von einem Auto angefahren wird? “Selbstverschuldet”! Ehrlich… “Ich saß auch mal 3 Wochen im Rollstuhl. Ich weiß genau wie das ist.” Das ist einer meiner absoluten Lieblinge. Ich mein, lässt man sich den einmal auf der Zunge zergehen. Ich bin auch mal 3 Wochen im Rollstuhl gesessen. Ich weiß genau wie das ist. Das bedeutet, nichtbehinderte Menschen können ein Leben im Rollstuhl, sagen wir wie es in meinem Fall zum Beispiel ist, 37 Jahre in 3 Wochen komprimieren. Alle Erfahrungen, alle Emotionen, alle Erlebnisse in 3 Wochen komprimieren. Um dann zu sagen wie es ist? Fantastisch! Also wenn das Teil des Nichtbehinderten-Sein ist, dann bin ich wirklich ab jetzt, voll und ganz neidisch auf nichtbehinderte Menschen. Denn diese Fähigkeit hätte ich auch gerne. Naja, manchmal muss man auch das Offensichtliche herauskehren. Ja? “Oh! Sie sitzen im Rollstuhl.” Ja. 10 Punkte für Beobachtungsgabe. “Sie müssen das positiv sehen! Sie haben immer einen Sitzplatz.” Wenn das jemand zu mir sagt, dann mag ich ihn. Weil das… da gehört schon Schneid dazu, dass zu sagen. Und das trauen sich, ist meine Erfahrung, nicht viele Menschen. Wobei ich derjenige immer bin, der sagt: ‘Hey! ich hab zumindest immer einen Sitzplatzt.’ Oder wenn’s drum geht, dass jemand… das Sessel da sind und einer muss weggegeben werden, dann sag ich meistens: ‘Bitte, kannst du dieses billige Klump weggeben? Ich setz mich nicht auf so minderwertiges Zeugs. Ich brauche Eleganz, Motorisierung, bisschen Stil. Auf so einen blöden IKEA-Sessel… Nicht mit mir!’ “Ich wär auch mal fast in so einem Ding gelandet.” Deswegen sind wir Brüder. “Kann man da noch was machen?” Hmm… Tja. Wenn man da noch was machen könnte, glaube ich, dass derjenige oder diejenige nicht mehr sitzen würde. Aber das ist eine andere Story. “Toll, dass sie trotzdem rausgehen!” Ja. Find ich auch. Was wäre die Alternative? Obwohl, jetzt liefert der Macy ja auch nach hause. Da könnte man sich’s überlegen, doch nicht mehr raus zu gehen. Ich keep that in mind. “Darfst du betrunken Rollstuhl fahren?” Ähmmmmmmjjjjjam! Ich… kann… nicht immer betrunken Rollstuhl fahren. [Räuspern] Ja. Ich da… da… da mach ich noch ein… da gibt’s n’Link und so. Schaut’s euch das mal an. “Kannst du Sex haben?” Ah… Ja. Ich mein, geht jetzt auch niemanden was an, aber ja. Alleine besser zu zweit. Tja. Ah, gut, ah ja: “Sind wir nicht alle ein bisschen behindert?” Ahmmmja. Fuck that! Also ich könnt das hier nicht Ich frag mich dann immer: ‘Was?’ Darauf kommt dann auch nie eine Antwort. “Sie inspirieren mich.” Das macht € 150, bitte! Pro Inspiration. “Kann ich ihnen das irgendwo reinstecken?” Liebe Laura! Ich weiß nicht, wann du diesen Spruch gehört hast. Ich persönlich gehe davon aus, dass es an einer Kasse war. Und es sich um Artikel und Geld handelt. Wenn nicht, hoffe ich, dass du Ja gesagt hast und es war schön. Äh! “Toll wie du dein Schicksal meisterst.” Ja. Sag ich dem Typen im Spiegel auch immer am Morgen. “Bleiben sie ruhig sitzen.” Das ist jetzt auch so ein Spruch wie “Seien sie froh, da haben sie wenigstens immer einen Sessel dabei.” Find ich gut, verwende ich selbst, macht die Leute immer baff. “Aber essen dürfen Sie alles, oder?” Äh, ja, aber ich bin halt nicht… also ich mag halt nicht alles. Also… Dürfen? Ja. “Geht’s?” Es rollt. Ja. “Ist das deine Betreuerin?” Ähm, tja, das ist jetzt schwierig, weil ich persönlich hab ja keinen Betreuer, weil ich ja alleine wohne und persönliche Assistenz habe. Und manchmal kommt es vor, dass ich auch mit Freunden unterwegs bin. Ähm, die Verwirrung ist irgendwie halb verständlich, wobei ich’s halt blöd finde, dass die Leute immer davon ausgehen, Dass man einen Betreuer dabei haben muss. Es könnte ja auch die Frau, die Freundin, der Freund, der Mann oder eben ein Assistent sein. Und ich glaub auch nicht, dass, wenn vier Nicht… oder drei Nichtbehinderte sich treffen, und der einzelne einen der beiden fragt: ‘Ist das dein Werter?” Tja! Weiß nicht, ob das vorkommt. Sagt’s mir! In den Kommentaren. Ich kenn mich ja mit Nichtbehinderten nicht aus. “Schläfst du auch im Rollstuhl?” Ja. Wenn ich betrunken bin. Denn dann darf ich ja nicht fahren. “Kennen Sie XY? Der sitzt auch im Rollstuhl.” Tja. Da wir ja hier unter uns sind, muss ich euch jetzt so ein kleines Geheimnis verraten. Es gibt eine Art Geheim Society, die gab’s schon lange bevor es diese Social Networks gab. So mit Telefonketten und SMS-Ketten. Alle Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen, und alle behinderten Menschen allgemein, sind weltweit vernetzt. Und sind eigentlich eine sehr enge und intensiv sich austauschende Community. Und wir arbeiten alle zusammen und kennen uns alle. Das Problem jetzt mit diesen ganzen neumodernen, elektronischen Social Media-Sachen, gibt’s, dass eine Diversivizierung anfängt. Ja? Jetzt wollen die Blinden, die wollen sich jetzt abkapseln. Und die taub- und schwerhörigen Leute wollen sich auch abkapseln. Und auch unter den Rollstuhlfahrern… Hach, ich sag euch! Die Querschnittler wollen nicht mehr mit den Zerebralparetikern zusammen… Und, und die, na, na, na, die Schädel-Hirn-Trauma… die wollen auch ihre eigene Community Das Ganze ist nicht gut, wirklich nicht gut. Aber… Ach!… Nein, wir kennen uns natürlich nicht alle. Wie kommt man drauf? Das wäre, als ob man sagen würde, alle Blondinen kennen sich Oder jeder der Nike-Schuhe trägt, kennt alle Nike-Schuhe-Träger. Oder? Ich mein, man kennt auch nicht jeden I-Phone-Nutzer. Außer Apple. Die kennen alle I-Phone-Nutzer. “Oh, guck mal! Ein Rollstuhlfahrer! Kennst du den? ” Nein. “Sitzt deine Freundin auch im Rollstuhl?” Ich habe viele Freunde. Eine davon… einige davon sitzen im Rollstuhl. “Wo will der Rollstuhl denn hin?” Ja, ich hoffe immer, dorthin wo auch ich hinwill. Es ist nämlich nicht immer so einfach. [Räuspern] Ja! Das war Rollstuhlfahrer Bullshit-Bingo. Liebe Laura, ich bin bedanke mich, für das Zusammentragen dieser Sätze. Ich hoffe, euch hat’s gefallen. Wenn ja, gebt mir ein Like. Abboniert meinenKanal, bitte! Und das wär’s so weit. Wir sehen uns nächste Woche wieder Ich wünsch euch ein schönes Wochenende. Nächsten Freitag, Uhr 16:0, hier auf mabacher.TV! Mein Name ist Martin, ich bedanke mich fürs Zusehen. Servus!

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